
Künstliche Intelligenz im Computeum? Nicht wirklich – dafür sind unsere Maschinen doch etwas zu schwachbrüstig. Obwohl: während meines Informatik Studiums in den 80ern war KI schon mal ein heißes Thema, wurde aber dann wieder fallen gelassen.
Aber was hat das Computeum denn nun mit KI am Hut? Nun ja, das Hazeltine 2000 Terminal ist repariert uns steht wieder in seinem Spezialtisch, aber die Dietz dahinter wurde von uns noch nicht in Betrieb genommen. Laut Hans lief sie, als er sie vor gut 20 Jahren bekommen hat, es fehlt aber der Schlüssel zum Schlüsselschalter, um sie einzuschalten. Interessieren würde mich das Gerät schon, aber wegen ihrer Größe müsste ich sie vor Ort reparieren. Vielleicht wird’s ja was in den Wintermonaten.
Wär halt schön wenn wir jetzt schon das Terminal in Betrieb zeigen könnten…
Also kam ich auf die Idee, das Hazeltine Terminal mit einem modernen Computer zu betreiben. Es als Linux-Konsole zu betreiben wäre möglich, ist aber nicht so prickelnd, da das Hazeltine nur Großbuchstaben darstellen kann. Also dann nur irgendein Programm darauf laufen lassen? Was liegt da näher, als eine Software aus damaligen Zeiten zu verwenden? Leider habe ich nichts passendes im Internet gefunden, das auf der Konsole läuft. So habe ich mir erstmal von ChatGPT ein paar Bildschirm-Masken erstellen lassen, wie sowas früher ausgesehen haben könnte. Diese Masken könnte ich dann auf einem Linux Rechner zyklisch auf das Terminal schicken und der Besucher im Computeum hat was zu sehen. Interaktivität wäre aber noch schöner, oder!? So habe ich die KI beauftragt, ein Lagerverwaltungssystem nach meinen Vorstellungen zu kreieren. Das Programm wurde, wie von mir vorgegeben, in der Scriptsprache Ruby erstellt und es ist schließlich zu einem funktionsfähigen Demo-Programm herangewachsen.
So lief es nun einige Zeit bereits im Computeum auf einem Panasonic CF-29 ToughBook unter Linux. Es war mir aber zu unpraktisch, das Laptop jedes mal hochzufahren, das Program zu starten (okay, kann man automatisieren) und am Ende des Ausstellungstages wieder herunterzufahren. Und es ist ein Störfaktor zur Dietz.
Meine Idee war dann, dieses Programm auf einem Mikrocontroller laufen zu lassen. Das Programm war aber in Ruby geschrieben und musste für den Mikrocontroller auf C umgeschrieben werden. So verwendete ich dieses mal die KI Claude, um dies umzusetzen. Ich verwendete die Sourcen unseres Ruby-Programms und nach ein paar Iterationsschritten war das Programm dann auf einem ESP32 Mikrocontroller lauffähig und es hatte sogar noch einen logischen Fehler unserer ersten Implementierung entdeckt. Ich war dann schon etwas beeindruckt von der Fähigkeit der KI.

Der Mikrocontroller wurde dann in analoger Weise von mir noch erweitert, sodass er an das Hazeltine Terminal angeschlossen werden kann.
Anstatt unserer Dietz 621 übernimmt nun ein moderner Mikrocontroller die Arbeit. Der Stromverbrauch dürfte von einigen hundert Watt nun auf wenige Milliwatt gesunken sein und auch die Leistungsfähigkeit des ESP32 dürfte um einiges höher sein, als die der Dietz. Werden neue Daten eingegeben, so werden diese nach einem Neustart verworfen und jeder Besucher kann mit einem konsistenten Datenbestand beginnen. So ein Kiosk-Modus ist perfekt für unseren Betrieb.
Aber Sinn der ganzen Aktion war, eine Demo-Programm ins Computeum zu bringen, um den Besuchern das Gefühl von damals zu vermitteln. Jetzt kann nach Belieben am Hazeltine Terminal herumgespielt werden, neue Aufträge angelegt, mit Kunden und Artikeln verknüpft werden. Probiert es selbst!
Wer Lust hat, kann den Sourcecode gerne erweitern und ein komplettes Lagerverwaltungs- bzw. ERP-System (für uns) daraus bauen. Ihr findet es auf Github.
Der Login ist übrigens DEMO/DEMO – nur original mit Großbuchstaben!

