Echte Technik macht Krach

Fernschreiber LO15 auf Transportwagen, nach dem Ausladen aus dem Auto
Die Schönheit von Seite 3

Am Samstag den 6. Juni war es dann soweit, der geheimnisvolle Transport erreichte Vilshofen und entpuppte sich als Fernschreiber. Ein früher Lorenz 15c in einem schönen Holzkabinett mit Beistellschränkchen für die Wähleinrichtung bzw. das Anschaltgerät wie es richtig heist.

Und, da wir in Deutschland sind, ist es auch nicht einfach ein Fernschreiber, sondern ein Blattschreiber. Blattschreiber weil er in Zeilen auf Endlospapier schreibt. Im Gegensatz zum Streifenschreiber, der auf eine endlose “Zeile” druckt. Mancher kennt noch die Telex die der Postbote bringt, bei dem die Streifen dann auf das Papier geklebt wurden.

Solche Fernschreiber waren auch die ersten Ein-/Ausgabegeräte für Computer, die dem ähneln, was wir heute kennen: Eine Tastatur auf der man Kommandos und Daten eingeben kann und eine Ausgabe wo man lesen kann was der Computer antwortet.

Alle rund um den Fernschreiber
Erstmal die Technik ergründen

Soweit sind wir dann heute nicht gekommen, aber wir sind auch nicht auseinander gegangen bevor nicht was lief. Klaus hatte nicht nur den Fernschreiber, sondern auch gleich eine passende Stromquelle mitgebracht mit der man das Gerät zur Funktion bewegen konnte. Sache ist nämlich, dass der Motor zwar mit 220V betrieben werden will, die Leitung aber mit 50 mA Stromschleife. Ohne lässt er sich zu nichts bewegen, auch nicht lokal, weil es diese 50 mA sind, die die Hebel zur Bewegung veranlassen – oder besser das rhythmische aussetzen derselben. des Stroms.

Mechanische Einstellung der Signalgeschwindigkeit.
Alles Mechanisch, auch das Timing

Nach ein paar Irrungen und Justagen war klar, dass zum einen unter 45 mA zu wenig ist um einen zuverlässigen Abdruck zu erreichen, zum anderen die Mechanik etwas schwergängig war und deswegen die Geschwindigkeit ein kleines bisschen angepasst werden musste.

Hans beugt sich tief in die Lo15 Innereien
Kurz bevor die Nase zwischen die Zahnräder kommt

Nach dem Justieren ging es dann aber wie im Bilderbuch. Sollte es ja auch, sind Fernschreiber doch auf jahrelangen Betrieb ohne Unterbrechung ausgelegt. Auch Lochstreifenstanzer und -leser haben einwandfrei funktioniert, was dann gleich erlaubte eine kleine Demo vorzubereiten.

Wir haben natürlich das Ergebnis auch gleich auf Video gebannt.

Wenn man das auf 1/4 Geschwindigkeit stellt (rechts unten beim Zahnrad), kann man recht schön sehen wie die 6 Bits der Zeichen mit den waagerechten Stangen auf die Schreibmechanik übertragen werden. Vorher aber den Ton abstellen, weil der wird sehr nervig in der Zeitlupe :))

Schöner zu sehen ist es bei einem Video das John Lawson, ein Unterstützer des Computeums aus Nevada, mit echter Zeitlupe  gemacht hat: Teletype Model 15 in Zeitlupe. Das Gerät entspricht grundsätzlich dem Aufbau unseres LO15. Die Aufnahme erfolgte mit 210 Bildern pro Sekunde, also 7-facher Geschwindigkeit, was knapp über einem Zeichen pro Sekunde entspricht.

Das Video zeigt nacheinander die einzelnen Komponenten, beginnend mit dem Magneten, der durch den Schleifenstrom betätigt wird. Genau der ist es, der die 50 mA braucht und je nach Bitmuster die einzelnen Hammer passieren lässt oder nicht, und das serielle Signal in die parallelen waagerechten Stangen überträgt, welche dann den jeweiligen Typenhebel auswählen.

Was ein schönes Stück Technik. Wenn wir mit der Ausstellung fertig sind, dann bekommt der Fernschreiber nicht nur einen schönen Platz, sondern wird auch an das i-Telex Netz angeschlossen. Dann sind wit mit modernsten Nachrichtengeräten erreichbar!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.